Warum das, was dir leichtfällt, dein stärkstes Werkzeug ist

Es gibt Tätigkeiten, bei denen du plötzlich merkst, dass zwei Stunden vergangen sind. Du hast es nicht gespürt. Keine Müdigkeit, keine Ungeduld, kein Blick aufs Handy. Du warst einfach da oder ganz weg? Weil du dich dieser Tätigkeiten mit Seele und Herz hingegeben hast. Ich nenne diesen Zustand gerne «spirituelle Kreativität oder spirituellen Flow». 

In dieser Frequenz trittst du in Kontakt mit deiner Seele, dieses Gefühl nenne ich «beseelt sein».

Ich habe im 1. und 2. Teil darüber geschrieben, wie Farben und Musik die Seele ansprechen, oft ohne dass wir es bewusst steuern. Lieblingsbeschäftigungen gehen noch einen Schritt weiter. Sie sind keine passiven Erlebnisse, sie sind aktive Einladungen, bei denen die Seele nicht nur angesprochen wird, sondern selbst zum Ausdruck kommt.

Was der Flow-Zustand mit der Seele zu tun hat

Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi hat diesem Zustand einen Namen gegeben: Flow. Er beschreibt damit das vollständige Aufgehen in einer Tätigkeit, einen Zustand, in dem das Ego zurücktritt, die Zeit verschwindet und alles sich mühelos anfühlt. Csíkszentmihályi hat Tausende von Menschen befragt, Sportler, Künstlerinnen, Handwerker, Mütter, Schachspielerinnen, und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Die glücklichsten Momente im Leben entstehen nicht in der Passivität. Sie entstehen im Tun: Im vollständigen, freudvollen, selbstvergessenen Tun.

Flow entsteht dort, wo deine Fähigkeiten und die Anforderung einer Tätigkeit im Gleichgewicht sind. Nicht zu leicht, nicht zu schwer, also genau richtig. Und genau das ist der Zustand, den die Seele liebt. Denn im Flow ist der Verstand beschäftigt genug, um ruhig zu sein, und die Seele hat endlich Raum.

Warum wir gelernt haben, unsere Lieblingsbeschäftigungen kleinzureden

Hier liegt aus meiner Sicht das eigentliche Problem. Nicht, dass wir unsere Lieblingsbeschäftigungen nicht kennen. Sondern dass wir gelernt haben, sie nicht ernst zu nehmen.

Fenster putzen. Risotto rühren. Im Garten arbeiten. Stricken. Malen. Mit dem Hund spazieren gehen. Singen. Töpfern. Backen. Das klingt nicht nach Produktivität. Es klingt nicht nach Leistung. Es klingt nicht nach dem, wofür man morgens um fünf Uhr schon im Büro sitzt.

Und genau deshalb streichen so viele Menschen diese Tätigkeiten aus ihrem Tag. Weil wir immer noch in einer Gesellschaft leben, in der es primär um Leistung geht, nicht um Genuss und Seelenfreude.

Das ist das Erbe, das wir in dieser Serie schon mehrfach berührt haben: die Prägung, dass nur, was anstrengend ist, auch wertvoll ist. Dass Leichtigkeit verdächtig, ja gar anrüchig ist. Dass Freude kein Maßstab sein kann, weil sie zu subjektiv, zu unprofessionell, zu wenig messbar ist.

Die Seele fühlt das anders.

Was passiert, wenn du deiner Seele gibst, was sie liebt

Alle Dinge, die auf deiner persönlichen Liste der geliebten Tätigkeiten stehen, sind Wege, auf denen die Seele genährt wird. Je mehr du ihr davon gibst, desto stärker wird sie. Und desto klarer wird die Verbindung zu ihr.

Das klingt simpel. Und es ist simpel. Aber es verlangt etwas, das viele unterschätzen: die Erlaubnis.

Die Erlaubnis, das Nützliche für einen Moment beiseitezulegen. Die Erlaubnis, etwas zu tun, nur weil es sich gut anfühlt. Die Erlaubnis, dass das gut genug ist.

Ich putze Fenster und rühre Risotto dreiviertel Stunden lang. Nicht weil es produktiv ist. Sondern weil es mich in einen Zustand bringt, in dem ich eintauche in eine 360 Grad Welt, wo es so viel mehr gibt als uns Wissenschaft und Verstand erklären können. Und viel mehr als wir verstehen und begreifen könnne. Ich komme aus solchem Eintauchen immer mit einer Klarheit heraus, die kein Meeting, kein Guru, kein Buch der Welt mir geben könnte. Das ist keine Ablenkung vom Business, das ist für mich die Grundlage dafür.

Wie du herausfindest, was deine Seele wirklich nährt

Es gibt eine einfache Frage, die du dir stellen kannst: Bei welcher Tätigkeit verliere ich die Zeit?

Nicht die Zeit, die du verlierst, weil du abgelenkt bist oder durch Social Media scrollst. Sondern die Zeit, die vergeht, weil du so vollständig dabei bist, dass du gar nicht merkst, wie sie verstreicht.

Das ist dein Hinweis. Das ist die Tätigkeit, bei der deine Seele sagt: Ja. Hier. Genau das.

Und dann gibt es die zweite Frage, die noch tiefer geht: Was würdest du tun, wenn niemand zuschaut und niemand bewertet?

Nicht was du tun solltest. Nicht was sich professionell anfühlt. Sondern was du einfach tun würdest, weil es sich richtig anfühlt.

Deine Antwort ist kein Hobby, sie ist dein Kompass.

Ein Gedanke zum Abschluss dieser Serie

In dieser Serie haben wir drei Sprachen der Seele erkundet: Farben, Musik und Lieblingsbeschäftigungen. Drei scheinbar kleine Dinge. Drei Wege, die in Wirklichkeit direkt zum Zentrum führen.

Die Seele braucht keine Retreats auf Bali. Sie braucht keine teuren Kurse und keine perfekte Ausrüstung. Sie braucht deine Aufmerksamkeit. Täglich. In kleinen Dosen. In den Momenten, die du dir erlaubst, einfach zu sein.

Von innen nach außen, denn in uns drinnen ist die Kraft, die Vision und die Klarheit.

Bring heute etwas in deinen Tag, das deine Seele kennt. Eine Farbe. Ein Lied. Eine Tätigkeit, bei der du die Zeit vergisst. Ds ist der Weg zu deiner Seele.